Verein Judentum in Salzkotten e.V.
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Auf Anregung des Vereins beschloß der Hauptausschuß des Rates der Stadt Salzkotten am 18.3.1991, die noch lebenden ehemaligen jüdischen Bürger zu einem Besuch ihrer Heimatstadt einzuladen.

Im August 1991 wurden alle jüdischen Personen und Familien angeschrieben, die in der Zeit von 1930 bis 1942 Salzkotten verlassen haben oder verlassen mußten. Um möglichst viele Adressen der ehemaligen Salzkottener Bürger herauszufinden, wurde auch eine Anzeige in der jüdischen Zeitschrift “Aufbau” veröffentlicht, die in den USA erscheint. Die Botschaften in Argentinien, Bolivien, USA, Frankreich, Lettland sowie Meldebehörden innerhalb Deutschlands wurden eingeschaltet.

Nach Abschluß aller Vorbereitungen waren zehn ehemalige jüdische Bürger Salzkottens in Begleitung ihrer Angehörigen in der Zeit vom 6.9. bis 14.9.1992 Gäste der Stadt Salzkotten.

Besuch

Ein umfangreiches Begegnungs- und Besuchsprogramm war erstellt worden, das hier stichwortartig beschrieben sei:

  • Besuch der Stätten ehemals jüdischen Lebens in Salzkotten, des jüdischen Friedhofs und der Gedenkstätte an der ehemaligen jüdischen Synagoge
  • Empfang durch die Stadt Salzkotten und Eintragung in das Goldene Buch der Stadt
  • Besuch der Wewelsburg und der Dokumentation Wewelsburg 1933-1945. Kult- und Terrorstätte der SS
  • Rundfahrt durch den heimischen Raum
  • Begegnung und Gespräche mit Schülern der Haupt- und Realschule Salzkotten
  • Ausstellungseröffnung Jakob Loewenberg
  • Sabbat Gottesdienst in Paderborn, anschließend Kidusch in Salzkotten
  • Begegnungsabend mit Bürgerinnen und Bürger
  • Fahrt zum Freilichtmuseum Detmold

Ende 1992 wurde eine Dokumentation über die Vorbereitungen, den Besuch und anschließende Reaktionen veröffentlicht.

Es hat fünfzig Jahre gedauert, daß die ehemaligen jüdischen Mitbürger nach Salzkotten zurückgekommen sind. Die Beurteilung dieses Besuches sei den Gästen überlassen, entnommen aus Briefen, die uns erreichten:

    Auf der einen Seite war es schön, so viele alte Freunde nach so langer Zeit wieder zu treffen, auf der anderen Seite war die Woche traurig, weil ich mich an die ganzen Ereignisse der 30er Jahre wieder erinnerte. Die Tatsache, daß die Stadt eine Gedenkstätte am Platz der ehemaligen Synagoge errichtet hat und daß sie für den jüdischen Friedhof Sorge trägt, aber auch die Arbeit des Vereins Judentum in Salzkotten, der sich mit der Geschichte der jüdischen Bevölkerung beschäftigt hat, gibt mir Hoffnung, daß die Fehler der Vergangenheit nie mehr wiederkehren werden.

    Alles, was Sie und besonders die Mitglieder des Arbeitskreises Juden in Salzkotten getan haben, gab uns das Gefühl, daß Sie sich der Greuel bewußt sind, die verübt wurden, und mit Ihrer Arbeit hoffen, eine Wiederholung auszuschließen. ... Wir sind zu Hause, wo immer wir heute leben. Aber Heimat ist immer der Ort, wo man geboren und aufgewachsen ist. ... Sie haben uns etwas von der Heimat wiedergegeben.